von Imke, Diplom-Ingenieurin und professionelle Kunsthandwerkerin im Bereich Nadelfilzen bei kunterbuntgetupft
Inhalt
Du filzt schon eine Weile und hast schon einige Hilfsmittel zum Nadelfilzen ausprobiert. Du weißt, wie man Wolle verfilzt, wie man Figuren aufbaut, wie man filigrane Strukturen — Arme, Beine, Hände, Finger, Blumenstiele, Ohren, Nasen, Zungen — so gestaltet, dass die Fasern dauerhaft verbunden bleiben, glatte Oberflächen entstehen und auch dünne Strukturen sich nicht wieder enttüdeln. Wir machen das alle mit Hilfsmittel. zum Nadelfilzen: Leim, Mod Podge, Klebestifte finden wir in der einschlägigen Literatur. Aber in den sozialen Netzten sehe ich auch immer wieder Filzkünstler*innen, die sogar handelsübliche Haarpflegeprodukte einsetzen. Und seit einiger Zeit gibt es ja auch noch Elfenwachs und Filzwachs dazu.
Zeit um sich dem Ganzen mal ausführlich zu widmen und die Vor- und Nachteile der Hilfsmittel zum Nadelfilzen mal vergleichend darzustellen. Also hab ich das mal gemacht. Hier in diesem Blogbeitrag.
Je fortgeschrittener die Filzkenntnisse sind – desto filigraner werden die Strukturen, die gearbeitet werden.
Und genau da liegt das eigentliche Problem:
Gerade an Enden wie Fingern oder Füßen, und überall dort, wo dünne Faserstrukturen einen starken Biegeradius haben, entsteht durch die Biegespannung eine Kraft, die die Nadelfilzverbindung mit der Zeit wieder auflöst. Die Fasern fusseln auf, die Oberfläche verliert ihre Glätte — und das, obwohl man sorgfältig gearbeitet hat.
Und irgendwann kommt die Frage:
Womit lassen sich filigrane Strukturen wie Hände, Arme und Blumenstiele dauerhaft verhindern?
In der internationalen Filzliteratur — ich habe mir im Laufe der Jahre einige sehr gute englischsprachige Bücher zugelegt — findet sich dazu ein klarer Ratschlag welche Hilfsmittel zum Nadelfilzen gut geeignet sind: Klebstoff. PVA-Glue oder einfacher Leim. Im deutschsprachigen Raum sehe ich außerdem häufig den guten alten Klebestift im Einsatz.
Ich finde das ehrlich gesagt nachvollziehbar. Und ich möchte hier keines dieser Hilfsmittel zum Nadelfilzen schlechtreden — jedes hat seine Berechtigung, je nachdem was man vorhat. Als professionelle Kunsthandwerkerin mit 10 Jahren Erfahrung im Nadelfilzen und vielen hundert gefertigten Figuren habe ich alles ausprobiert. Hier ist das Ergebnis aus meiner persönlichen Sichtweise.
Vergleich gängiger Hilfsmittel zum Nadelfilzen

Der schnelle Überblick: Alle gängigen Hilfsmittel zum Nadelfilzen im Vergleich
Die Spalte „Verfestigt schnell” beschreibt die unmittelbare Handhabung. „Härtet mit der Zeit aus” beschreibt, ob das Produkt chemisch nachreift und die Verbindung langfristig festigt.
Leim und Mod Podge
Zunächst kurz zur Frage, was Mod Podge überhaupt ist — denn das taucht in der englischsprachigen Filzliteratur häufig auf, ist aber hierzulande weniger bekannt. Mod Podge ist ein amerikanisches Markenprodukt und im Grunde ein Drei-in-Eins-Produkt: Kleber, Versiegelung und Lack in einem. Chemisch basiert es auf Polyvinylacetat — also demselben Kunstharz, das auch in PVA-Klebern steckt — und ist damit verwandt mit gewöhnlichem Weißleim, jedoch in einer etwas anderen Formulierung mit Zusatzstoffen für Versiegelung und Oberflächenfinish.
Pro: Beide Produkte verfestigen schnell und zuverlässig. Sie geben der Wolle sofort Struktur und entwickeln — das ist tatsächlich ein echter ästhetischer Vorteil — einen wunderschönen sanftmatten Glanz, der sehr gut mit dem Filz harmoniert. Für reine Schauobjekte, Skulpturen die wirklich nur angeschaut werden, kann ich Leim und Mod Podge aufrichtig empfehlen.
Con: Das Problem zeigt sich erst nach Jahren. Ich hatte Figuren in meiner Werkstatt, deren Arme mit Leim befestigt worden waren. Irgendwann, wenn man die Figur bewegt, beginnt der Leim zu brechen — er bröselt buchstäblich. Und dann bildet sich ein weißes Pulver auf der Wolle. Auf sattgrünen Blumenstielen. Auf schwarzen Pferdebeinen. Der Grund ist physikalisch: Leim versprödet mit der Zeit. Er verfestigt schnell und zuverlässig — aber diese Sprödigkeit wird mit den Jahren zur Schwäche. Dazu kommt: Die Hände werden beim Arbeiten klebrig und lassen sich danach nur mit Seife wieder sauber bekommen. Wer zügig und ohne Unterbrechung arbeiten möchte, wird das als störend empfinden.
Fazit: Ideal für Skulpturen zum Anschauen. Weniger geeignet für Figuren, die bewegt oder angefasst werden.
PVA-Kleber und Klebestift
Pro: Der Klebestift ist die unkomplizierteste Lösung überhaupt. Er haftet sofort, trocknet flexibler als Leim, und das weiße Pulver-Problem bleibt in der Regel aus. PVA-Kleber ist nochmal eine Stufe haltbarer und ebenfalls weniger spröde. Ehrlich gesagt ist PVA-Glue von der reinen Funktion her das Mittel, das am besten und zuverlässigsten funktioniert — und das sage ich als jemand, die sich am Ende für etwas anderes entschieden hat.
Con: Beide enthalten Kunststoff. Das mag für viele Menschen kein Argument sein — für mich schon. Meine Filzfiguren sind aus Wolle, einem vollständig natürlichen, biologisch abbaubaren Material. Wenn ich synthetische Klebstoffe einarbeite, ist das Werk für mich kein rein natürliches Objekt mehr. Auch hier gilt: Die Hände werden klebrig und müssen nach der Arbeit gründlich mit Seife gewaschen werden.
Fazit: Praktisch, schnell, gut haltbar. Für alle, denen Natürlichkeit kein vorrangiges Kriterium ist, eine völlig valide — und funktional sehr gute — Wahl.
Elfenwachs und Wollwachs (Lanolin)
Pro: Elfenwachs und Wollwachs sind vollständig natürlich und hautfreundlich. Wollwachs ist relativ duftneutral; Elfenwachs soll angenehm riechen, wobei ich das selbst nicht beurteilen kann. Für den Hobbybereich, wer viel mit feiner Merino- oder Viskosewolle arbeitet und fliegende Fasern anlegen möchte, ist das ein angenehmes Produkt — vorausgesetzt, das leicht klebrige Gefühl an den Händen stört nicht.
Con: Elfenwachs und Wollwachs härten nicht aus — sie bleiben dauerhaft in ihrer weichen Konsistenz. Eine strukturelle Verfestigung entsteht nicht, und die Oberfläche kann aufgrund der Klebrigkeit über die Jahre etwas staubanfälliger bleiben. Wer diese Produkte mit anderen Mitteln kombinieren möchte, sollte Vorsicht walten lassen: Es ist nicht absehbar, wie zum Beispiel ein Klebstoff auf einer zuvor mit Wollwachs behandelten Faseroberfläche haftet, und ob es dabei zu unerwünschten Reaktionen oder Zersetzungsprozessen kommt.
Fazit: Geeignet zum Anlegen fliegender Fasern und für Hobbyarbeiten ohne hohen Langzeitanspruch. Für filigrane Strukturen, die auch nach Jahren noch ihren vollen künstlerischen Wert erhalten sollen, weniger geeignet.
Haargel und Haarwachs
Diese beiden Produkte werden gelegentlich — vor allem im Hobbybereich — eingesetzt, und ich trenne sie hier bewusst, weil sie sich unterschiedlich verhalten.
Haargel härtet tatsächlich aus und gibt kurzfristig stabilen Halt. Das klingt erstmal gut — aber Haargel ist für den tageweisen Einsatz formuliert, nicht für Jahrzehnte. Wie es im Inneren einer Wollstruktur über lange Zeit altert, ist schlicht unbekannt.
Haarwachs hingegen härtet gar nicht aus und verhält sich damit ähnlich wie Wollwachs — es bleibt weich. Für einen schnellen Notbehelf denkbar, als dauerhafte Lösung nicht geeignet.
Fazit: Beide Produkte sind für einen ganz anderen Verwendungszweck entwickelt worden. Als Langzeitlösung für Filzfiguren würde ich sie nicht einsetzen.
Filzwachs: Pro und Con
Fairerweise gehört hier auch eine ehrliche Einschätzung meines eigenen Produkts — ich möchte nicht, dass dieser Beitrag wie eine Werbeseite wirkt.
Pro: Beim Auftragen verhält sich Filzwachs genauso wie alle anderen Produkte in diesem Vergleich: Die Griffigkeit der Fasern verbessert sich sofort, filigrane Strukturen lassen sich leichter formen, und die Wolle liegt direkt besser in der Hand. Dieser unmittelbare Effekt ist mit Wollwachs, Haargel oder Klebestift vergleichbar. Filzwachs ist außerdem zu 100 % natürlich und plastikfrei, die Hände bleiben beim Arbeiten sauber — ein kurzes Abwischen genügt, Seife ist nicht nötig.
Und es ist das einzige Produkt in diesem Vergleich, das speziell für den Langzeiteinsatz an Filzfiguren entwickelt wurde: Durch die oxidative Autopolymerisation des enthaltenen Leinöls entsteht mit der Zeit eine feste, vernetzte Verbindung — und die bleibt langfristig zäh, wird also nicht spröde. Die anfängliche Klebwirkung der Oberfläche erlischt mit dem Fortschreiten des Trocknungsprozesses, weswegen von einer erhöhten Staubbindefähigkeit betrachtet auch lange Zeit nicht ausgegangen werden kann.
Con: Der Nachteil liegt in der Trocknungszeit. Verglichen mit kunststoffbasierten Klebstoffen, die in Minuten oder Stunden fest sind, braucht Filzwachs Tage bis Wochen, bis die chemische Aushärtung abgeschlossen ist. Wer schnelle Ergebnisse braucht oder unter Zeitdruck arbeitet, wird das als echten Nachteil empfinden. Filzwachs Original hinterlässt außerdem einen ganz leichten Gelbton, der bei hellen Wollfarben sichtbar sein kann — dafür gibt es Filzwachs Spezial mit farbneutraler Formulierung. Ob Elfenwachs ebenfalls farbneutral ist, habe ich selbst noch nicht systematisch untersucht — das lasse ich hier bewusst offen. (Schreib mir gerne, wenn Du es weißt!)
Fazit: Sofort angenehm in der Verarbeitung, langfristig die stabilste natürliche Lösung — für alle, denen Natürlichkeit und Langzeitqualität wichtiger sind als schnelle Trocknungszeiten.
Warum ich am Ende mein eigenes Produkt erfunden habe
Nach all diesen Erfahrungen mit den gängigen Hilfsmittel zum Nadelfilzen stand ich vor einer Frage, die mich nicht losließ: PVA-Glue funktioniert am besten — aber es ist Plastik. Gibt es etwas, das genauso gut hält, aber vollständig natürlich ist?
Die Antwort fand ich nicht im Bastelregal, sondern in der Chemie.
In der Ölmalerei ist seit Jahrhunderten bekannt, dass Leinöl eine besondere Eigenschaft hat: Es oxidiert und polymerisiert mit der Zeit. Es trocknet nicht einfach, es vernetzt sich chemisch — bildet einen festen, haltbaren Film, das sogenannte Linoxin. Diese Eigenschaft nennt sich oxidative Autopolymerisation.
Ich habe mir dieses Wissen als Stand der Technik genommen und Leinöl durch Zugabe von Bienenwachs so in der Konsistenz eingestellt, dass es sich gut mit den Fingern aufnehmen und auf Wolle auftragen lässt. Das ist Filzwachs Original.
Und weißt Du was: mein Filzwachs ist sogar mein Deutschen Patent und Markenamt als Gebrauchsmuster geschützt! Eine gr0ße Freude für eine kleine Erfinderin, sag ich Dir :o)
Meine Beobachtungen über mehrere Jahre zeigen, dass die Verbindung auch nach langer Zeit nicht spröde wird — und ich vermute, dass die Beimischung von Bienenwachs dabei eine stabilisierende Rolle spielt. Langzeitstudien über 20 Jahre habe ich naturgemäß noch nicht — aber was ich bisher sehe, stimmt mich zuversichtlich. (Bilder aus meiner laufenden Dokumentation folgen an mal an anderer Stelle. in diesem Blog. Ich untersuche sowohl das Langzeitverhalten der Öle, als auch der Filzwachse und das auf Wolle, auf Papier und neu geplant: aufgebracht als dünne Schicht auf Glas. Eine wissenschaftliche kleine Studie über Hilfsmittel zum Nadelfilzen)
Filzwachs Spezial funktioniert nach demselben Prinzip, ist aber farbneutral — es ist damit das Hilfsmittel zum Nadelfilzen Deiner Wahl, wenn Du besonders gerne helle, pastellige und weiße Wollfarben benutzt. Das genaue Rezept ist mein Betriebsgeheimnis.
Beide Varianten sind zu 100 % natürlich, plastikfrei und handgefüllt in Bremen.
Das Rezept gibt es kostenlos
Ich habe mich von Anfang an entschieden, das Rezept für Filzwachs Original offen zu teilen, denn ich finde es ist eine wunderbare Ergänzung in der Welt der Hilfsmittel zum Nadelfilzen. Und da ich Ingenieurin dem „Ehrencodex der wissenschaftlichen Gemeinschaft“ verpflichtet bin bin ich überzeugt: Das Wissen gehört nicht hinter eine Bezahlschranke. Du bekommst es automatisch in der Begrüßungsmail, wenn Du Dich bei meinem Newsletter anmeldest.
(PS: selbstverständlich kannst Du Dich da auch gleich wieder abmelden, wenn Du nur Interesse an dem Rezept hast – ich kontrolliere das nicht :o)
Du brauchst nur Leinöl und Bienenwachs im richtigen Verhältnis — und Sorgfalt beim Erhitzen. Bei meinen ersten Versuchen ist tatsächlich mal ein Topf lichterloh in Flammen aufgegangen 👩🔬🔥🍯. Kein Witz. Leinöl hat einen niedrigen Flammpunkt, und das muss man wissen und respektieren.
Genau deshalb gebe ich das Rezept für dieses Hilfsmittel zum Nadelfilzen nur zusammen mit den Sicherheitshinweisen weiter. Wenn du dich an die Anleitung hältst, kann eigentlich nichts passieren.
👉 Hier kostenlos das Filzwachs-Rezept anfordern →
Oder du kaufst es bequem fertig — handgefüllt, hergestellt in meiner kleinen Filzwachs Manufaktur Bremen, im Glastiegel mit UV-Schutz.
Filzwachs Original (honigfarben, für mittlere und dunkle Wollfarben) — 5 € / 30 ml
Filzwachs Spezial (farbneutral, für helle und pastellige Töne) — 8 € / 30 ml
Hast du selbst Erfahrungen mit anderen Hilfsmittel zum Nadelfilzen gemacht? Schreib es gerne — ich bin immer neugierig, was andere Filzerinnen ausprobieren.
Du hast noch Fragen zum Filzwachs? Schau gerne mal in mein FAQ und stöbere doch auch mal durch meine anderen Blogartikel.
Kennst Du schon meine neuen online Filzkurse für Filzblumen zum Beispiel?
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