Jahreszeitenwächter schnitzen

Die Jahreszeitenwächter schnitze ich am liebsten draußen in meinem Garten. Draußen im Garten natürlich praktisch, aber auch wunderschön, weil ich nämlich selten unbeobachtet bleibe...

Letzter Feinschliff im Garten – Jahreszeitenwächter mit Huhn

Die Jahreszeitenwächter schnitze ich am liebsten draußen in meinem Garten. Hier im Video zeige ich Dir den letzten Feinschliff vor der Ölung. In meiner Arbeitshose, der Jahreszeitenwächter auf dem Schoß, arbeite ich an dem, was als Letztes noch trocken entsteht: kleine Schnitte, feine Korrekturen, ruhiges Schleifen.

In diesem Stadium geht es nicht mehr darum, eine Form zu bauen. Die ist längst da. Jetzt geht es darum, sie stimmig zu machen. Übergänge weicher werden zu lassen. Flächen zu beruhigen. Vor allem im Gesicht zeigt sich hier sehr viel. An der Nase, um die Augen, an den Wangen entscheidet sich, wie der Wächter später wirkt. Ob er mehr Ernst trägt oder mehr Milde. Ob er wach schaut oder eher nach innen.

Ich arbeite dann langsam. Drehe die Figur immer wieder, halte sie ins Licht, fahre mit den Fingern über das Holz. Das Material reagiert auf jeden Schleifgang. Die Oberfläche schließt sich, wird feiner, gleichmäßiger. Das Holz bekommt eine Tiefe, die es vorher noch nicht hatte. Erst danach ist der Moment gekommen, in dem Öl und Wachs überhaupt Sinn ergeben.

Draußen im Garten natürlich praktisch, weil Späne und Staub frei herumfliegen dürfen. Aber es ist da auch wunderschön, weil ich nämlich selten unbeobachtet bleibe. Denn dort im Garten fliegen auch meine Hühner frei herum…

schnitzen mit hühnern

Sobald Späne fliegen, stehen hier ziemlich zuverlässig meine Hühner. Sie kommen angelaufen, bleiben stehen, neigen die Köpfe, picken dazwischen. Holzspäne sind offenbar hochinteressant. Ich habe noch nicht ganz verstanden, warum, aber sie sind es. Es gehört inzwischen fest dazu, dass ich schnitze und irgendwo neben mir Hühner stehen und alles genau im Blick haben.

Dieser letzte Feinschliff ist kein spektakulärer Teil der Arbeit. Aber er trägt viel von dem, was später spürbar ist. Ruhe. Stimmigkeit. Präsenz. Hier wird aus einem gut geformten Stück Holz ein Jahreszeitenwächter, der wirklich da ist.

Und falls du dich jetzt fragst, warum Hühner in meinen Werkstattmomenten so selbstverständlich vorkommen: Wer das Ausmaß meiner Hühnerliebe noch nicht kennt, kann gern in meinen Podcast reinhören. Dort gibt es unter anderem die Geschichte vom Superheldenhuhn „Éanid“.
👉 Wilbur&Éanid : ein moderner Märchen-Podcast

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